Bevor Sie beginnen
In der Produktionshalle bestimmt die Motorliste alles: Anschlussleistung, Hauptsicherung, Leitungen und Gehäuse. Erstellen Sie sie zuerst.
Typische Stromkreise in der Produktion
Motoren bekommen eigene Leitungen mit Motorschutz; Licht und Steckdosen bleiben an 30-mA-FI/LS. Die Zeilen stammen aus dem Beispiel mit drei verschiedenen Anlaufarten.
| Stromkreis | LS-Schalter | Leitung mm² | Schutz | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Hallenbeleuchtung × 2 | B10 | 3 × 1,5 | FI/LS 30 mA | 400 m² × 5 W/m² = 2 kW, auf zwei Stromkreise aufgeteilt. |
| Beleuchtung Büro | B10 | 3 × 1,5 | FI/LS 30 mA | Getrennt von der Halle. |
| Sicherheitsbeleuchtung | B6 | 3 × 1,5 | Eigener FI/LS 30 mA | Einzelbatterieleuchten; Anordnung nach DIN EN 1838. |
| Servicesteckdosen | B16 | 3 × 2,5 | FI/LS 30 mA | Handwerkzeug, Ladegeräte, Reinigungsmaschinen. |
| CEE-Steckdose 32 A, 5-polig | C32 | 5 × 6 | Eigener FI/LS 30 mA | Schweißgerät oder mobile Maschinen; LS passend zur Steckdose. |
| Kompressor 4 kW, dreiphasig | C16 | 5 × 2,5 | Eigener FI/LS | Charakteristik C für den Anlauf; Datenblatt beachten. |
| Sägemotor 4 kW · Direktanlauf | MPCB 6–10 | 4 × 1,5 | Motorschutz + Schütz | Einstellung 7,7 A = In; Ein-/Aus-Taster laut Planung. |
| Lüftermotor 7,5 kW · Sanftanlauf | MPCB 13–18 | 4 × 4 | Motorschutzschalter | Einstellung 14,2 A; der Sanftanlasser sitzt an der Maschine. |
| Absaugung 11 kW · FU | C32 | 4 × 6 | C32, ohne 30 mA | Umrichter außerhalb des Verteilers; geschirmte Motorleitung. |
Hallenbeleuchtung × 2
- LS-Schalter
B10- Leitung · mm²
- 3 × 1,5
- Schutz
- FI/LS 30 mA
400 m² × 5 W/m² = 2 kW, auf zwei Stromkreise aufgeteilt.
Beleuchtung Büro
- LS-Schalter
B10- Leitung · mm²
- 3 × 1,5
- Schutz
- FI/LS 30 mA
Getrennt von der Halle.
Sicherheitsbeleuchtung
- LS-Schalter
B6- Leitung · mm²
- 3 × 1,5
- Schutz
- Eigener FI/LS 30 mA
Einzelbatterieleuchten; Anordnung nach DIN EN 1838.
Servicesteckdosen
- LS-Schalter
B16- Leitung · mm²
- 3 × 2,5
- Schutz
- FI/LS 30 mA
Handwerkzeug, Ladegeräte, Reinigungsmaschinen.
CEE-Steckdose 32 A, 5-polig
- LS-Schalter
C32- Leitung · mm²
- 5 × 6
- Schutz
- Eigener FI/LS 30 mA
Schweißgerät oder mobile Maschinen; LS passend zur Steckdose.
Kompressor 4 kW, dreiphasig
- LS-Schalter
C16- Leitung · mm²
- 5 × 2,5
- Schutz
- Eigener FI/LS
Charakteristik C für den Anlauf; Datenblatt beachten.
Sägemotor 4 kW · Direktanlauf
- LS-Schalter
MPCB 6–10- Leitung · mm²
- 4 × 1,5
- Schutz
- Motorschutz + Schütz
Einstellung 7,7 A = In; Ein-/Aus-Taster laut Planung.
Lüftermotor 7,5 kW · Sanftanlauf
- LS-Schalter
MPCB 13–18- Leitung · mm²
- 4 × 4
- Schutz
- Motorschutzschalter
Einstellung 14,2 A; der Sanftanlasser sitzt an der Maschine.
Absaugung 11 kW · FU
- LS-Schalter
C32- Leitung · mm²
- 4 × 6
- Schutz
- C32, ohne 30 mA
Umrichter außerhalb des Verteilers; geschirmte Motorleitung.
Werte aus dem Beispiel unten (TN-C-S, cos φ 0,85, kurze Leitungen), keine Leitungsberechnung. Im Handbuch des Umrichters die geforderte Sicherung bzw. den LS prüfen, ebenso Spannungsfall beim Anlauf, Häufung und Schleifenimpedanz. FI in Motorstromkreisen und Selektivität legt die Planung fest.
Das durchgerechnete Beispiel
Der Verteilerplaner hat den Bemessungsstrom jedes Motors berechnet, Motorschutzschalter und ein Schütz ausgewählt und einen Arbeitsstromauslöser für den Feuerwehrschalter sowie die Sicherheitsbeleuchtung mit eigenem FI/LS ergänzt.
Produktionshalle 400 m², dreiphasig 63 A
Fertigungshalle, Büro und Sanitärraum; drei Motoren (direkt, Sanftanlauf, FU), Kompressor und eine CEE-Steckdose 32 A.
- 1×Gehäuse 4×18 (72 Module), Kunststoff, Unterputzmontage, IP30
- 1×Hauptschalter, C63, 4 TE
- 1×Arbeitsstromauslöser für das Eingangsgerät, mechanisch mit dem Eingangsgerät gekoppelt, Spule 230 V AC (Zubehör desselben Herstellers), 1 TE
- 1×Überspannungsableiter (SPD), Typ 2, Schaltung 3+1 (CT2), 4 TE
- 1×Verteilerblock 4P 125 A, 14 Klemmen je Pol, 4 TE
- 4×FI/LS-Schalter (RCBO), B10, 30 mA Typ A, 2 TE
Mit 20 % Reserveplatz als Ziel und einem Gleichzeitigkeitsfaktor von 0,75 erstellt. Der Planer bemängelt das IP30-Gehäuse in einer staubigen Halle und bietet IP54 per Klick an. Die Geräte richten sich nach der unterschriebenen Planung.
Schritt für Schritt planen
Sieben Schritte von der Maschinenliste zu einem Entwurf, den die Fachplanung prüfen und unterschreiben kann.
- 1
Anschluss und Netzform erfassen
Phasen, Bemessungsstrom der Hauptsicherung und Netzform. Notieren Sie den zu erwartenden Kurzschlussstrom: LS- und Motorschutzschalter müssen dafür ausgelegt sein.
- 2
Halle nach Fläche eingeben
Für die Fertigungsfläche m² und W/m² eingeben. Der Planer teilt die Beleuchtung in B10-Stromkreise zu etwa 1,5 kW. Sicherheitsbeleuchtung und Feuerwehrschalter sind standardmäßig aktiv.
- 3
Jeden Motor hinzufügen
Wellenleistung, Phasen, Anlaufart, cos φ und Wirkungsgrad eingeben. Der Planer berechnet In = P / (√3 · 400 V · cos φ · η), wählt den Einstellbereich des Motorschutzschalters um In und ergänzt ein Schütz, wenn der Motor vom Verteiler aus startet.
- 4
Steckdosen und weitere Maschinen ergänzen
CEE-Steckdosen 16 oder 32 A erhalten einen LS C passend zur Steckdose und einen 30-mA-FI/LS. Kompressoren, Schweißgeräte und Werkzeugmaschinen bekommen eigene Leitungen, ausgelegt nach Leistung und Phasen.
- 5
Anlauf und Leistungsbedarf prüfen
Der Planer warnt, wenn ein Direktanlauf die Hauptsicherung auslösen oder die Spannung um mehr als 10 % absenken kann. Mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor von 0,75 werden Hauptsicherung und Phasenströme ermittelt.
- 6
Schutz und Selektivität prüfen
Warnungen beheben: IP54-Gehäuse, 30 mA an CEE-Steckdosen, 300-mA-Brandschutz-FI bei Hallen aus Sandwichpaneelen. Selektivität zwischen Gruppen-LS und Hauptsicherung prüfen – große Abgänge hinter kleiner Hauptsicherung verlieren sie.
- 7
Entwurf an die Fachplanung übergeben
PDF mit Übersichtsschaltplan, Einkaufsliste und Einstellwerten der Motorschutzschalter exportieren. Eine befugte Fachplanung erstellt das Projekt, einschließlich Steuerstromkreisen und Not-Halt.
Regeln und typische Fehler
Anforderungen
DIN VDE 0100 / DIN EN 60204-1 / örtliche Vorgaben
- Überlast- und Kurzschlussschutz jedes Motorstromkreises, abgestimmt auf den Starter (DIN VDE 0100-430).
- Steckdosen bis 32 A, auch CEE, brauchen 30-mA-Zusatzschutz (DIN VDE 0100-410, Abschnitt 411.3.3).
- FI Typ B, wo ein Umrichter glatte Gleichfehlerströme verursachen kann; Brandschutz-FI ≤ 300 mA, wo gefordert.
- Maschinensteuerung, Not-Halt und Trennen nach DIN EN 60204-1 und Maschinendokumentation.
- Sicherheitsbeleuchtung nach DIN EN 1838 und DIN VDE 0100-560; Feuerwehrschalter, wo örtlich gefordert.
- Erstprüfung mit Besichtigen, Erproben und Messen vor der Übergabe (DIN VDE 0100-600).
Häufige Fehler
Kleine Versäumnisse, vermeidbare Probleme
- −Ein einfacher LS C vor einem Motor ohne Überlastschutz.
- −Einstellwert des Motorschutzschalters nach dem Einstellbereich gewählt, nicht nach dem Typenschild.
- −Großer Motor mit Direktanlauf hinter einer kleinen Hauptsicherung C, die bei jedem Anlauf auslöst.
- −Ein 30-mA-FI Typ A vor einem Umrichter: Fehlauslösungen oder gar kein Schutz.
- −CEE-Steckdosen ohne 30 mA, weil „das ist ja Industrie“.
- −Ein IP30-Gehäuse dort, wo Späne und Staub anfallen.
Häufige Fragen
Motorschutzschalter oder Leitungsschutzschalter für den Motor?
Bei Direkt- und Sanftanlauf schützt ein Motorschutzschalter sowohl bei Kurzschluss als auch bei Überlast; der thermische Auslöser wird auf den Bemessungsstrom eingestellt. Ein einfacher LS-Schalter hat keinen einstellbaren Überlastschutz. Vor einem Frequenzumrichter den LS oder die Sicherungen laut Handbuch verwenden – der Umrichter übernimmt meist den Motorüberlastschutz.
Drehstrommotor Nennstrom berechnen – wie?
In = P / (√3 · U · cos φ · η), mit P als Wellenleistung. Für 4 kW bei 400 V, cos φ 0,85 und η 0,88 ergibt das 7,7 A. Der Strom auf dem Typenschild hat immer Vorrang. Den thermischen Auslöser des Motorschutzschalters auf In einstellen; die Leitung wird für mindestens 1,25 · In plus Spannungsfall ausgelegt.
Braucht ein Motor einen 30-mA-FI?
Fest angeschlossene Motoren brauchen keinen 30-mA-Zusatzschutz; der Fehlerschutz erfolgt im TN-System durch automatische Abschaltung über den LS. Im TT-System oder wo die Planung es fordert, wird ein 300-mA-FI eingesetzt – vor einem Umrichter Typ B. Steckdosen, auch CEE-Steckdosen, brauchen immer 30 mA.
Wann Sanftanlasser oder Frequenzumrichter statt Direktanlauf?
Wenn der Anlaufstrom für Anschluss oder Hauptsicherung zu hoch ist, wenn der Spannungsfall beim Anlauf andere Verbraucher stört oder wenn der Prozess eine Drehzahlregelung braucht. Der Planer warnt, wenn ein Direktanlauf den magnetischen Auslöser der Hauptsicherung überschreitet.
Welcher Gleichzeitigkeitsfaktor gilt für eine Produktionshalle?
Der Planer rechnet für die Produktion mit 0,75, da Maschinen selten gleichzeitig unter Volllast laufen. Das ist ein Schätzwert für den Start: Eine Fachplanung mit Schichtplan und Prozessdaten kann stattdessen Auslastungs- und Gleichzeitigkeitsfaktoren je Maschine ansetzen.
Kann ich den Verteiler nach dem PDF bauen?
Nein – das PDF ist ein Arbeitsentwurf für Fachplanung und Elektrofachkraft. Ein Produktionsgebäude braucht eine Planung durch eine befugte Fachplanung, einschließlich Maschinensteuerung, Not-Halt und Brandschutzkonzept. Danach installiert eine Elektrofachkraft die Anlage und prüft sie durch Besichtigen, Erproben und Messen.