Zwei Auslöser in einem Gerät
Ein Leitungsschutzschalter enthält zwei völlig verschiedene Mechanismen:
- Der thermische Auslöser ist ein Bimetallstreifen. Er reagiert auf dauerhafte Überlast und braucht dafür Minuten bis Stunden — genau wie die Leitung, die sich langsam erwärmt.
- Der magnetische Auslöser ist eine Spule. Sie reagiert auf Kurzschluss und schaltet in wenigen Millisekunden ab.
Der Nennstrom, also die Zahl auf dem Gerät, betrifft den thermischen Teil. Der Buchstabe davor betrifft den magnetischen: Er sagt, ab welchem Vielfachen des Nennstroms schlagartig abgeschaltet wird.
Die Charakteristiken im Überblick
Bezogen auf den Nennstrom löst der magnetische Auslöser aus bei:
- B — dem 3- bis 5-fachen Nennstrom. Bei B16 also etwa zwischen 48 und 80 A.
- C — dem 5- bis 10-fachen. Bei C16 zwischen 80 und 160 A.
- D — dem 10- bis 20-fachen. Bei D16 zwischen 160 und 320 A.
Für den thermischen Teil gilt bei allen dreien dasselbe: Beim 1,13-fachen Nennstrom darf das Gerät nicht auslösen, beim 1,45-fachen muss es innerhalb einer Stunde abschalten. Ein B16 hält also dauerhaft 16 A, aber 18 A eben nicht auf Dauer.
Übliche Nennströme im Wohnungsbau sind 6, 10, 13, 16, 20, 25, 32 und 40 A; das Schaltvermögen beträgt dort meist 6 kA.
Wann welcher Buchstabe
- B ist der Standard im Wohnungsbau. Beleuchtung, Steckdosen, normale Haushaltsgeräte. Er schaltet am schnellsten ab und stellt die geforderte Abschaltzeit auch bei längeren Leitungen sicher.
- C bei hohen Einschaltströmen. Motoren, Transformatoren, große LED-Anlagen mit vielen Schaltnetzteilen. Diese ziehen beim Einschalten kurz ein Vielfaches ihres Betriebsstroms — ein B-Automat sieht darin einen Kurzschluss.
- D für ausgeprägte Anlaufströme. Schweißgeräte, große Maschinen, bestimmte Pumpen. Im Wohnbereich kommt D praktisch nicht vor.
Warum nicht einfach überall C?
Weil der Schutz sonst löchrig wird. Damit im Fehlerfall rechtzeitig abgeschaltet wird, muss der Kurzschlussstrom die magnetische Schwelle sicher überschreiten. Bei langen, dünnen Leitungen ist der Schleifenwiderstand hoch und der Kurzschlussstrom entsprechend klein. Ein C16 braucht bis zu 160 A, um sofort zu schalten — kommen nur 90 A zustande, bleibt der magnetische Auslöser stumm und es reagiert nur noch der thermische, also nach Sekunden statt Millisekunden.
Der RCD hilft hier nur bei Fehlerströmen gegen Erde, nicht beim Kurzschluss zwischen Außen- und Neutralleiter. Deshalb: C nur dort, wo es einen konkreten Grund gibt, und dann mit Blick auf die Leitungslänge.
Wenn ein Automat wiederholt auslöst
Erst die Ursache klären, nie den nächstgrößeren Automaten einsetzen. Der Querschnitt der Leitung bleibt schließlich derselbe.
- Löst er nach längerer Zeit unter Last aus, ist es Überlast — der Stromkreis ist zu voll und braucht eine eigene Leitung.
- Löst er sofort beim Einschalten eines bestimmten Geräts aus, ist es der Einschaltstrom — hier kann C die richtige Antwort sein.
- Löst er ohne erkennbaren Anlass aus, ist es ein Fehler in Gerät oder Leitung. Vorgehen wie beim Fehlauslösen.
Zusammenspiel mit dem Querschnitt
Charakteristik und Nennstrom ergeben nur zusammen mit dem Leitungsquerschnitt Sinn: Der Automat schützt die Leitung, also muss er zu ihr passen und nicht zum angeschlossenen Gerät. Eine 1,5 mm²-Leitung bleibt bei B16, auch wenn der Verbraucher gern mehr hätte.
Was PlanMyPanel macht
Der Regelsatz wählt für Wohnstromkreise standardmäßig B und schlägt C nur dort vor, wo der Assistent einen entsprechenden Verbraucher erkannt hat — etwa Motoren oder große Beleuchtungsanlagen. Nennstrom und Querschnitt werden immer als Paar geprüft; passt eines nicht zum anderen, erscheint ein Hinweis im Projekt.