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FI oder FI/LS: Was wird geschützt und abgeschaltet?

Ein RCCB erkennt Fehlerströme; ein LS schützt vor Überlast und Kurzschluss. Ein FI/LS vereint beide Funktionen. Praktisch entscheidend ist, ob ein Fehler auch benachbarte Stromkreise abschaltet.

Drei Geräte, unterschiedliche Aufgaben

  • Ein FI-Schutzschalter (RCCB) erfasst nur den Fehlerstrom – die Ableitung zur Erde – und hat keinen Überlast- oder Kurzschlussschutz; er braucht daher immer einen LS-Schalter oder eine Sicherung.
  • Ein FI/LS-Schalter (RCBO) vereint FI und LS in einem Gerät für einen Stromkreis: Er löst bei Fehlerstrom, Überlast und Kurzschluss aus.

Der entscheidende Unterschied ist der Umfang der Abschaltung: Ein Fehler unter einem gemeinsamen FI schaltet alle Stromkreise dahinter ab, ein FI/LS nur seinen eigenen.

RCD ist der Oberbegriff für Fehlerstromschutz, einschließlich RCBO. Hier bezeichnet RCCB den FI ohne Überstromschutz, MCB den Leitungsschutzschalter und RCBO den kombinierten FI/LS.

MCBOB16

Leitungsschutzschalter · MCB

Schützt Leitungen vor Überlast und Kurzschluss. Kleine Fehlerströme können für eine Auslösung zu gering sein.

B16: Kennlinie B und 16 A Bemessungsstrom. Diese Angabe allein beschreibt nicht alle Gerätefunktionen.

LLNNRCDOT4030mA

FI-Schalter · RCCB

Erkennt die Differenz zwischen hin- und zurückfließendem Strom. Ohne integrierten Überlast- und Kurzschlussschutz; benötigt abgestimmten LS oder eine Sicherung.

40 A ist der Bemessungsstrom unter festgelegten Bedingungen, 30 mA die Fehlerstromempfindlichkeit. Der FI schaltet eine Überlast nicht selbst aufgrund der 40-A-Angabe ab.

LLNNRCBOOTB1630mA

FI/LS-Schalter · RCBO

Vereint Fehlerstrom- und Überstromschutz. Im Beispiel schützt jeder FI/LS einen eigenen Endstromkreis.

B16 + 30 mA verbindet LS-Kennlinie und Bemessungsstrom mit Fehlerstromempfindlichkeit. A/AC/F/B ist eine separate Typangabe. TEST gibt es bei FI und FI/LS.

Integrierter Schutz
Integrierter SchutzMCBRCCBRCBO
Passende FehlerstromformNeinJaJa
ÜberlastJaNeinJa
Kurzschluss L–NJaNeinJa
Inhalt

Was schaltet bei einem Fehler ab?

Ereignis wählen

Welcher Stromkreis?

Im gewählten Stromkreis tritt ein Fehlerstrom geeigneter Form und Höhe auf, der den Fehlerstromschutz auslöst.

Gemeinsamer FI + LS

230 V~LLNNRCDOT4030mAAusgelöstMCBOB161MCBOB162MCBOB103
  • 1. WaschmaschineOhne Versorgung
  • 2. KühlschrankOhne Versorgung
  • 3. BeleuchtungOhne Versorgung

Der gemeinsame FI löst aus: Alle drei Stromkreise verlieren die Versorgung. Die LS können eingeschaltet bleiben.

Ein FI/LS je Stromkreis

230 V~3 × RCBOLLNNRCBOOTB1630mA1LLNNRCBOOTB1630mA2LLNNRCBOOTB1030mA3
  • 1. WaschmaschineOhne VersorgungAusgelöst
  • 2. KühlschrankVersorgt
  • 3. BeleuchtungVersorgt

Der FI/LS des fehlerhaften Stromkreises löst aus. Die anderen beiden bleiben im gezeigten Aufbau versorgt.

Lernmodell der Schutzfunktionen, kein Anschlussplan. Linien zeigen Schutzbeziehungen; L, N, PE, Einspeisung und weitere Geräte fehlen. Richtige Auswahl und Koordination werden vorausgesetzt. Bei realem Kurzschluss oder fehlender Selektivität kann auch vorgeschalteter Schutz auslösen. Auslösezeiten werden nicht simuliert.

Zwei Anordnungen vergleichen

Umfang der Abschaltung

Gemeinsamer FI + LS

Ein Fehlerstrom schaltet die gesamte Gruppe ab. Auch betriebliche Ableitströme mehrerer Geräte addieren sich.

Ein FI/LS je Stromkreis

Fehlerstromschutz je Stromkreis hilft, gesunde Stromkreise versorgt zu halten. Gemeinsame Ausfallursachen bleiben möglich.

Platz auf der DIN-Schiene

Gemeinsamer FI + LS

Beispiel für drei einphasige Stromkreise: FI mit 2 TE + drei LS mit je 1 TE = 5 TE.

Ein FI/LS je Stromkreis

Drei FI/LS mit je 2 TE = 6 TE; kompakte mit je 1 TE = 3 TE. Reale Serie, Pole und Breite zählen; Einspeisung und weitere Geräte zusätzlich einplanen.

Kosten

Gemeinsamer FI + LS

Ein gemeinsam genutzter FI kann die Gerätekosten reduzieren. Stückliste, Montage und Wartung vergleichen.

Ein FI/LS je Stromkreis

Ein Kombigerät je Stromkreis kann teurer sein. Der Unterschied hängt von Serie, Fehlerstromtyp und Bemessungswerten ab.

Fehlersuche

Gemeinsamer FI + LS

Nach FI-Auslösung muss der betroffene Stromkreis gefunden werden. Die LS-Stellung zeigt den Fehlerstrom meist nicht an.

Ein FI/LS je Stromkreis

Das ausgelöste Gerät zeigt den Stromkreis, nicht immer die Ursache. Separate Fehlerstromanzeigen sind modellabhängig; Anleitung beachten.

Drei Fehler vermeiden

01

RCCB 40 A als LS 40 A verstehen

Der Wert ist ein zulässiger Strom, keine Überlastauslöseschwelle. FI-Überlast- und Kurzschlussschutz müssen abgestimmt sein; drei LS mit 16 A allein garantieren keinen Schutz eines 40-A-FI.

02

Neutralleiter getrennter Schutzbereiche verbinden

Jeder Stromkreis benötigt den vorgesehenen L- und N-Pfad durch seinen Fehlerstromschutz. Verbindungen hinter verschiedenen FI/LS können Fehlabschaltungen und einen falschen Aufbau verursachen. Eine Elektrofachkraft prüft die Verdrahtung.

03

FI/LS als Schutz gegen alles betrachten

Er ersetzt weder PE noch Überspannungs- oder Fehlerlichtbogenschutz und macht Berühren nicht sicher. Ein vorgeschalteter RCD kann erforderlich bleiben; Verträglichkeit und Selektivität prüfen.

Auswahl für die Verteilung

  1. 1.

    Stromkreise bestimmen, die nicht gemeinsam ausfallen sollen: Licht, Kühlung, Kommunikation, Arbeitsplatz. Aufteilung begrenzt einen Fehler, ersetzt aber keine Ersatzstromversorgung.

  2. 2.

    Komplette Lösungen vergleichen: Strom, B/C/D, Fehlerstromtyp, IΔn, Ausschaltvermögen, Pole, Breite, Sammelschienen und Kosten. Passend ausgewählte RCCB + MCB bieten ebenfalls beide Funktionen.

  3. 3.

    Kabel, Einspeisung, Erdung, Neutralleiter, Selektivität und RCCB-Schutz fachlich abstimmen. Nach Montage sind die vorgeschriebenen Prüfungen erforderlich.

Häufige Fragen

Schützt FI/LS besser als FI plus LS?

Beide richtig ausgewählten Lösungen können die nötigen Funktionen erfüllen. Hier unterscheiden sich gemeinsame und einzelne Fehlerstromschutzbereiche sowie der Abschaltumfang, nicht bloß die Gehäusezahl.

Kann ein LS durch einen gleich bemessenen FI/LS ersetzt werden?

Die Zahl reicht nicht. Leitung, Kennlinie, Typ, Empfindlichkeit, Ausschaltvermögen, Pole, N und Verteilerkompatibilität prüfen. Der Schutzaufbau wird verändert.

Braucht ein FI/LS noch einen nachgeschalteten LS?

Die LS-Funktionen seines Stromkreises sind integriert. Einspeise- und Back-up-Schutz, Herstellerbedingungen und Kurzschlusskoordination bleiben Teil der Planung.

Wie erkennt man den Unterschied äußerlich?

Größe und TEST sind nicht eindeutig. Modell und Datenblatt prüfen: RCCB meist IEC/EN 61008, RCBO IEC/EN 61009.

Reicht ein FI für den ganzen Verteiler?

Ein einziger FI schaltet bei einem Fehlerstrom alles ab: Licht, Kühlschrank und Steckdosen gleichzeitig. Mehrere FI-Gruppen oder FI/LS für wichtige Stromkreise begrenzen den Ausfall. Was vorgeschrieben ist, hängt von den nationalen Regeln ab; die endgültige Aufteilung legt die Elektrofachkraft fest.

Quellen und weitere Artikel

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