Ein AFDD (Brandschutzschalter, Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung) erkennt gefährliche serielle und parallele Fehlerlichtbögen, indem er den Verlauf des Stroms im Stromkreis analysiert, und schaltet den Stromkreis ab. Er ergänzt LS-Schalter und RCD, ersetzt sie aber nicht.
Warum LS und RCD einen seriellen Lichtbogen übersehen können: Bei einem gebrochenen Leiter oder einer lockeren Klemme liegt der Lichtbogen in Reihe mit dem Verbraucher. Der Strom bleibt normal (zu niedrig für den LS), und es fließt kein Strom zur Erde, also bemerkt der RCD keinen Fehler.
Lichtbogen, aber der LS bleibt eingeschaltet?
Strom überbrückt einen Spalt
An einem angebrochenen Leiter oder fehlerhaften Kontakt kann Strom durch eine elektrische Entladung fließen. Punktuelle Hitze kann die Isolierung beschädigen oder benachbarte Stoffe entzünden.
LS und RCD überwachen andere Größen
Der LS reagiert auf Überstrom, der RCD vergleicht Außenleiter- und Neutralleiterstrom. Bei einem seriellen Lichtbogen kann der Strom klein sein, ohne gegen Erde abzufließen. Beide Geräte können eingeschaltet bleiben.
AFDD erkennt Merkmale des Stroms
Die Elektronik sucht nach Merkmalen gefährlicher Lichtbögen und veranlasst die Abschaltung. Normale Schaltfunken und der Betrieb von Bürstenmotoren werden im Erkennungsverfahren berücksichtigt.
Auf dieser Seite
Leitungsfehler anschaulich erklärt
Situation auswählen
Vergrößerter Leitungsausschnitt
L — Außenleiter · N — Neutralleiter · PE — Schutzleiter.
Die Kurve erklärt das Prinzip und ist keine Messung. Ein AFDD wertet mehrere Merkmale und deren Dauer aus, nicht nur einen einzelnen Stromgrenzwert.
Leiterbruch: serieller Lichtbogen
Der Laststrom fließt durch einen Lichtbogen an der beschädigten Stelle. Die Last begrenzt den Strom: gefährliche Erwärmung ist unterhalb des LS-Nennstroms möglich.
- MCB · Leitungsschutzschalter
Kann eingeschaltet bleiben, wenn der Auslösestrom nicht erreicht wird.
- RCCB · Fehlerstromschutz
Erkennt diesen Lichtbogen ohne Fehlerstrom gegen Erde nicht.
- AFDD · Lichtbogenschutz
Für die Erkennung gefährlicher serieller Lichtbögen vorgesehen.
Gezeigt wird der Fehler vor der Abschaltung. MCB-, RCCB- und AFDD-Funktionen werden getrennt betrachtet. Die Auslösung hängt von Strom, Lichtbogen, Zeit und Gerät ab. Kein Verdrahtungsplan.
Drei Ausführungen mit unterschiedlichen Funktionen
AFDD als eigenständige Funktion
Lichtbogenschutz bedeutet nicht automatisch Überstrom- oder Fehlerstromschutz. Abgestimmte Geräte sind nötig; Anbaueinheiten nur in vom Hersteller zugelassenen Kombinationen verwenden.
AFDD + LS (MCB)
Schutz gegen Lichtbogen, Überlast und Kurzschluss in einem Gerät. Fehlerstromschutz kann fehlen: den erforderlichen RCD separat vorsehen.
AFDD + FI/LS (RCBO)
Vereint Lichtbogen-, Überstrom- und Fehlerstromschutz. Nennstrom, Ausschaltvermögen, RCD-Typ und Eignung für den Verteiler prüfen.
Die Abbildungen orientieren sich an unserem Editor. Baubreite, Klemmen, Tasten und Funktionen sind modellabhängig.
Kennzeichnungen verstehen
AFDD / IEC (EN) 62606
Bezeichnet Lichtbogenschutz und Produktnorm. Die Aufschrift AFDD allein sagt nichts über weitere integrierte Schutzfunktionen aus.
B16 / C16
Bei integrierter LS-Funktion: 16 A ist der Nennstrom, B oder C die Kennlinie der schnellen Überstromauslösung. Keine „Funkenempfindlichkeit“.
30 mA / Typ A
Angaben zum integrierten Fehlerstromschutz, sofern vorhanden. 30 mA ist keine Lichtbogenschwelle; RCD-Typ A unterscheidet sich von LS-Kennlinie B/C.
TEST / T und Anzeige
Tastenfunktion, Prüfintervall und Anzeigecodes sind modellabhängig. Anleitung beachten: TEST bestätigt nicht den Zustand der gesamten Installation.
Wo dieser Schutz besonders sinnvoll ist
Schlafräume und Unterkünfte
Ein nächtlicher Defekt kann länger unbemerkt bleiben. Anforderungen hängen von Gebäudenutzung und örtlichen Regeln ab.
Brennbare Konstruktionen und wertvolle Güter
Holzkonstruktionen und unersetzliche Güter erhöhen die Brandfolgen. AFDD ergänzen fachgerechte Leitungen, Brandschutzmaßnahmen und Melder.
Leitungen mit Beschädigungsrisiko
Eingeklemmte Anschlussleitungen, gealterte Isolierung oder schlechte Kontakte müssen geprüft werden. Ein AFDD macht beschädigte Leitungen nicht weiter nutzbar.
Ob AFDD vorgeschrieben sind, hängt von Land, geltendem Regelwerk, Gebäude und Stromkreis ab. IEC/EN 62606 ist eine Produktnorm, keine pauschale Einbaupflicht für jedes Haus. PlanMyPanel-Projektregeln ersetzen nicht die Prüfung örtlicher Anforderungen durch die Fachplanung.
Nach einer AFDD-Auslösung
- 1.
Bei Brandgeruch, Knistern oder ungewöhnlicher Hitze den Stromkreis nicht weiter nutzen. Gefahrlos abschalten, die Schadstelle nicht berühren; bei Rauch oder Feuer den Gefahrenbereich verlassen und die Feuerwehr rufen.
- 2.
Betriebene Geräte und Anzeigecode gemäß Anleitung notieren. Ein Kombigerät kann wegen Überstrom oder Fehlerstrom statt wegen eines Lichtbogens ausgelöst haben.
- 3.
Bei wiederholter oder ungeklärter Auslösung ausgeschaltet lassen und eine Elektrofachkraft beauftragen. Schutz nicht überbrücken und keine Funken zum Test erzeugen. Nach Behebung der Ursache Stromkreis und Gerät prüfen lassen.
Häufige Fragen
Brauche ich AFDD trotz FI/LS?
Ein gewöhnlicher FI/LS schützt gegen Überstrom und Fehlerstrom, hat aber keine spezielle Lichtbogenerkennung. Anforderungen und Risikobeurteilung entscheiden über den AFDD-Einsatz.
Schützt ein AFDD das ganze Haus?
Üblicherweise sitzt der Schutz am Anfang einzelner Endstromkreise. Ein Gerät am Einspeisepunkt ist kein universeller Ersatz: Planung, Koordination und Herstellerangaben beachten.
Erkennt er jeden Funken und jede Überhitzung?
Nein. Normale Betriebsfunken müssen von gefährlichen Lichtbögen unterschieden werden. Überhitzung ohne erkennbaren Lichtbogen kann unentdeckt bleiben; kein Gerät verhindert garantiert jeden Brand.
Darf ich mit einem funkenden Draht testen?
Nein. Vorgesehene Prüftaste und Herstellerverfahren verwenden. Absichtlich erzeugte Lichtbögen sind gefährlich und kein gültiger Schutztest.
Wo sind AFDDs vorgeschrieben oder empfohlen?
IEC/HD 60364-4-42 empfiehlt AFDDs für Endstromkreise in bestimmten Situationen, etwa in Räumen zum Schlafen, an Orten mit brennbaren Baustoffen oder mit gelagerten oder verarbeiteten brennbaren Materialien und in Gebäuden mit unersetzlichen Gütern. Manche Länder schreiben sie in bestimmten Fällen vor; die nationalen Regeln unterscheiden sich, in Deutschland etwa über DIN VDE 0100-420. PlanMyPanel setzt sie in Holzhäusern als erforderlich an; entscheidend sind die Elektrofachkraft und die örtlichen Vorschriften.