Der Schutzschalter schützt die Leitung, nicht das Gerät
Das ist der Satz, an dem sich alles aufhängt. Ein Leitungsschutzschalter sorgt dafür, dass die Leitung in der Wand nicht heißer wird, als ihre Isolierung verträgt. Das Gerät am Ende der Leitung bringt seinen eigenen Schutz mit.
Daraus folgt die Reihenfolge jeder Planung: erst die Last, daraus der nötige Querschnitt, und danach der Schutzschalter, der zu diesem Querschnitt passt. Wer den Automaten größer wählt, weil er „öfter auslöst“, hebelt genau diesen Schutz aus — die Leitung glüht, bevor der Automat reagiert.
Was die Belastbarkeit einer Leitung bestimmt
Der Querschnitt allein sagt wenig. Wie viel Strom eine Leitung dauerhaft verträgt, hängt davon ab, wie gut die entstehende Wärme abfließt:
- Verlegeart. Frei auf der Wand kühlt am besten. Im Rohr, unter Putz, in Hohlwänden oder in Wärmedämmung wird es deutlich enger. Die Norm unterscheidet diese Fälle als Verlegearten A1, A2, B1, B2, C und E.
- Häufung. Liegen mehrere belastete Stromkreise im selben Rohr oder Kanal, heizen sie sich gegenseitig auf. Typische Reduktionsfaktoren: rund 0,8 bei zwei, 0,7 bei drei, 0,65 bei vier Stromkreisen.
- Umgebungstemperatur. Die Tabellenwerte gelten für 30 °C. Im warmen Dachboden oder neben der Heizung sinkt die Belastbarkeit spürbar.
- Zahl der belasteten Adern. Drei belastete Adern im Drehstromkreis ergeben andere Werte als zwei im Wechselstromkreis.
Die verbindlichen Zahlen stehen in den Tabellen der DIN VDE 0298-4. Wer den Querschnitt bemisst, rechnet mit dem Tabellenwert der tatsächlichen Verlegeart und multipliziert die Korrekturfaktoren — nicht mit dem größten Wert, den man irgendwo im Netz findet.
Übliche Zuordnungen im Wohnungsbau
Für gewöhnliche Installationen mit NYM unter Putz haben sich diese Paare eingebürgert. Sie sind bewusst konservativ und decken die üblichen Verlegearten ab:
- 1,5 mm² — Beleuchtungsstromkreise, abgesichert mit B10 oder B16.
- 2,5 mm² — Steckdosenstromkreise, abgesichert mit B16.
- 4 mm² — längere Leitungen oder höhere Dauerlast, abgesichert bis B20 oder B25.
- 6 mm² — Durchlauferhitzer, Herdanschluss, Zuleitungen zu Unterverteilungen, je nach Auslegung bis B32.
- 10 mm² und mehr — Zuleitungen, Wallbox über längere Strecken, Hausanschlussbereich.
Das sind Orientierungswerte für die Planung, keine Bemessung. Sobald die Leitung in Dämmung liegt, mehrere Kreise gebündelt sind oder die Strecke lang wird, ist die Rechnung nach Norm fällig.
Spannungsfall — der zweite Grund für dickere Leitungen
Bei langen Wegen entscheidet oft nicht die Wärme, sondern der Spannungsfall. Über 20 oder 30 Meter zur Gartenhütte oder in die Garage bleibt vom Sollwert messbar weniger übrig; Motoren laufen schlechter an, Elektronik reagiert empfindlich.
In der Praxis wird für Endstromkreise mit rund 3 % Spannungsfall gerechnet. Der Einfluss der Länge ist linear: doppelte Strecke, doppelter Verlust. Deshalb ist bei Außenbereich, Nebengebäude und Wallbox der Querschnitt fast immer eine Nummer größer, als die reine Strombelastbarkeit verlangen würde.
Aluminium statt Kupfer?
Aluminium leitet schlechter: Für denselben Strom braucht es etwa eine Stufe mehr Querschnitt. Es ist leichter und günstiger, verlangt aber geeignete Klemmen und sorgfältige Verarbeitung — Aluminium kriecht unter Druck, lose Klemmstellen sind eine klassische Brandursache. Im Wohnungsbau bleibt Kupfer der Normalfall; Aluminium findet sich vor allem bei langen Zuleitungen.
Typische Fehler
- Den Automaten nach dem Verbraucher wählen statt nach der Leitung.
- Eine 1,5 mm²-Leitung mit B16 belegen und zusätzlich mehrere Stromkreise gebündelt in ein Rohr ziehen — jede Maßnahme für sich ist vertretbar, zusammen nicht mehr.
- Die Leitungslänge ignorieren und sich über schwach anlaufende Geräte wundern.
- Querschnitte aus einer beliebigen Tabelle übernehmen, ohne die Verlegeart zu prüfen.
Was PlanMyPanel macht
Der Assistent fragt Verbraucher, Leitungslängen und Verlegesituation ab und schlägt Querschnitt und Schutzorgan gemeinsam vor — die beiden gehören zusammen und werden nie einzeln geprüft. Passt die Kombination nicht, meldet der Regelsatz das ausdrücklich, statt einen Wert stillschweigend zu runden. Die Bemessung nach Norm und die Abnahme bleiben bei der Elektrofachkraft.